Anfang 2024 unterzeichneten weit über 100 Orga­ni­sationen, Initiativen, Vereine, Gruppierungen, Par­teien* und Privatpersonen das Manifest des Hei­delberger Bündnisses „Kein Schritt Nach Rechts“, in dem sie sich gemeinsam und gegenseitig dazu ver­pflichteten, für Menschenrechte, Men­schen­würde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein­zu­stehen. Sie taten dies explizit als Reaktion auf das Erstarken und die Normalisierung von fa­schis­tischem Ge­dan­ken­gut in Deutschland. Es gelang zu diesem Zeit­punkt, Menschen aus vielen Bereichen der Heidel­berger Stadtgesellschaft zu einen und zu einem un­gewöhnlich breiten Bündnis zusammenzuführen. Dies äußert sich unter anderem darin, dass sich die große Bandbreite von in Heidelberg vertretenen de­mokratischen Parteien* unter den Erst­unter­zeich­nen­den wiederfindet.

In einem Bündnis, in dem bei der gemeinsamen Ar­beit immer wieder viele Lebensrealitäten, Welt­an­schauungen und politische Überzeugungen auf­einan­dertreffen, bleiben Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten nicht aus. Dennoch haben wir über die ver­gangenen beiden Jahre zu einer Kultur des kon­struk­tiven Austauschs und der Kompromissfindung gefunden.

Im Januar 2025 stimmten die Bundestagsfraktionen der CDU/CSU und FDP gemeinsam mit der AfD ab. Einer der härtesten und sichtbarsten Kritiker dieses vollkommen inakzeptablen und gegen den Geist des Manifests gerichteten Abstimmungsverhaltens war wohl unser Bündnis. Wir haben bei zwei De­mon­stra­tionen innerhalb einer Woche eine fünfstellige An­zahl Menschen auf der Straße vereint. Auch führen­de Vertreter:innen der Heidelberger CDU und FDP waren anwesend und haben gemeinsam mit uns de­monstriert.

Gleichzeitig wurde innerhalb des Bündnisses da­rü­ber diskutiert, wie der zukünftige Umgang mit CDU und FDP aussehen sollte, aber auch, wie generell ver­fahren werden soll, wenn innerhalb des Bünd­nisses entgegen den gemeinsam festgeschriebenen Werten gehandelt wird. Und es stand die Frage im Raum, inwiefern die Vertreter:innen von CDU und FDP in Heidelberg Mitverantwortung tragen für das Abstimmungsverhalten der jeweiligen Bundestags­fraktionen. Es wurde entschieden, dem Text des Manifests folgend, den andauernden und res­pekt­vollen gegenseitigen Dialog zu suchen, was zu wiederholten Gesprächen von Aktiven aus dem Bündnis mit Vertreter:innen verschiedener Parteien* geführt hat. Der so angestoßene ergebnissoffene Austausch lief einige Monate, und wird weiterhin in Bezug auf dieses Thema und darüber hinaus fort­gesetzt.

In Folge dieser Debatte wurde den Aktiven im Bündnis am 14. Januar 2026 durch die Stadtverbände der Partei „Die Linke“, linksjugend.solid und der ROSA Hochschulgruppe endgültig mitgeteilt, dass sie die formale Zusammenarbeit mit dem Bündnis „Kein Schritt Nach Rechts“ beenden. Dem gingen monatelange intensive Diskussionen voraus. Sie sehen sich außerstande, weiter ge­mein­sam in einem Bündnis mit CDU und FDP sicht­bar zu sein.

Wir bedauern diese Entscheidung sehr.

Die anderen Parteien* im Bündnis wurden vom Aus­tritt der drei Gruppen informiert und sind seitdem im Aus­tausch mit den Aktiven im Bündnis. Für den res­pekt­vollen und konstruktiven Umgang aller Be­tei­lig­ten möchten wir uns bedanken.

Als überparteiliches Bündnis fehlt uns nach Weg­gang der drei Organisationen, insbesondere der Par­tei „Die Linke“, ein wesentlicher Bestandteil des de­mo­kratischen politischen Spektrums. Deshalb haben wir in unserem Plenum lange und kontrovers über das weitere Vorgehen diskutiert. Wenn man an­ge­treten ist, die Demokratie zu verteidigen, dann sind die demokratischen Parteien* natürliche Verbündete. Von den vielen, die gleichzeitig beim Bündnis und in den Parteien* aktiv sind, ganz zu schweigen.

Alle Parteien* und ihre Repräsentant:innen haben seit Bestehen des Bündnisses immer wieder ihre In­te­ressen hinter die des Bündnisses gestellt. Das er­ar­beitete weitere Vorgehen soll die Überparteilichkeit und die Handlungsfähigkeit des Bündnisses wahren, und dabei den fortgesetzten Dialog mit allen de­mo­kra­tischen Parteien* weiterhin ermöglichen.

Deswegen haben wir uns mit den anderen Parteien* geeinigt, die gemeinsame Arbeit in einem anderen Ra­hmen stattfinden lassen. Wiederkehrende pro­jekt­bezogene Zusammenarbeit und direkter Austausch sind weiterhin erwünscht und in Planung. Bei­spiels­weise wollen wir gemeinsam in der zweiten Jahres­hälfte eine Veranstaltung durchführen, die En­ga­ge­ment von Menschen an der Basis von Parteien als Bestandteil der Demokratie und seine gegenwärtige Bedrohung sichtbar macht.

Es ist wichtig, zu betonen, dass alle Parteien* er­klä­ren, sich dem Manifest und seinen Werten weiterhin ver­pflichtet zu fühlen. Dies bleibt selbstredend für eine weitere Zusammenarbeit auch notwendig.

Wir haben es geschafft, Menschen über Partei-, Re­ligions-, Sozial-, Alters- und Welt­an­schauungs­gren­zen hinweg miteinander ins Gespräch zu bringen. Wir waren zusammen aktiv und haben etwas be­wegt, manchmal laut bei einer Demonstration und manchmal leise in der Diskussion im kleinen Kreis. Diesen Weg werden wir auch in Zukunft weiter gemeinsam gehen.

* Der Lesbarkeit des Textes wegen werden in dieser Mitteilung alle Parteien, die zugehörigen (oder zugeordneten) Ju­gend­or­ga­ni­sa­tionen und Hochschulgruppen sowie Wahllisten unter dem Wort „Parteien*“ bezeichnet. Im Einzelnen sind die Organisationen, die dies betrifft, die folgenden:
Die Heidelberger Stadtverbände der Partei „Die Linke“,
linksjugend.solid und der ROSA Hochschulgruppe
Bündnis 90/Die Grünen Heidelberg
Bunte Linke
CDU Heidelberg
Die Heidelberger
„Die Partei“ Heidelberg
FDP Heidelberg
Grün-Alternative Liste Heidelberg
Grüne Jugend Heidelberg
HiB Heidelberg in Bewegung
Junge Liberale Heidelberg
Junge Union Heidelberg
Jusos Heidelberg
Partei der Humanisten
SPD Heidelberg
Volt Heidelberg

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