Am 20. Februar waren wir als Bündnis Kein Schritt Nach Rechts Heidelberg bei der Abschlussveranstaltung der Arbeitsstelle für Antiziganismusprävention und des Forschungsprojekts „Mediale Antiziganismen“ an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg eingeladen. Solche Begegnungen sind ein wichtiger Bestandteil des Runden Tisches gegen Rassismus – besonders für die AG Bildung. Sie ermöglichen uns, Einblicke in die jeweiligen Arbeitsfelder zu bekommen, voneinander zu lernen und unsere Perspektiven miteinander zu verbinden. Wir sind sehr dankbar, Teil dieses Netzwerks zu sein und mit einem Infostand vertreten gewesen zu sein.
Besonders nachgewirkt hat ein Satz aus dem Impulsvortrag von David Rosenberg: „Wenn Minderheiten unsichtbar werden, dann ist niemand mehr sicher.“ Er stellte diesen Gedanken in den Kontext aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen und des spürbaren Rechtsrucks. Die Unsichtbarmachung von Minderheiten ist kein zufälliger Prozess, sie geht einher mit Entmenschlichung durch Abwertung, mit scheinbar einfachen Antworten auf komplexe Probleme und mit (antiziganistischen) Narrativen, die immer noch anschlussfähig sind. Antiziganismus ist kein historisches Randthema, sondern zeigt sich bis heute in struktureller Diskriminierung und Bildungsbenachteiligung, in Medien, Behörden und gesellschaftlichen Debatten. Sichtbarkeit ist deshalb keine symbolische Frage, sondern eine gesellschaftspolitische. Sichtbarkeit heißt deshalb, diese Kontinuitäten zu benennen, den Rechtsruck nicht unwidersprochen zu lassen und die Perspektiven von Sinti und Roma im Hier und Jetzt ins Zentrum zu rücken.
Umso bedauerlicher ist es, dass die Arbeitsstelle künftig nicht weiter finanziert wird. Gleichzeitig bleiben die wertvolle Arbeit, die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Bildungsmaterialien bestehen und müssen weiter genutzt und verbreitet werden. Dazu gehört ein digitaler Stadtrundgang, der die Geschichte der Sinti und Roma in Heidelberg, die polizeiliche Verfolgung sowie die Arbeit der Antiziganismusprävention sichtbar macht. Auf der Webseite finden sich außerdem Podcastfolgen zu Antiziganismus in den Medien, Zeitzeug:innengespräche sowie Materialien zu Rassismus und Antiziganismusprävention in Medien und Schule.
Diese Arbeit macht deutlich: Antiziganismusprävention ist eine dauerhafte gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kein Projekt mit Enddatum. Die Arbeitsstelle hinterlässt Spuren – und es liegt an uns allen, die eröffneten Perspektiven weiterzutragen.
Zur Webseite der Arbeitsstelle: https://www.azp-hd.org/